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Artikel: Meet the Athlete: Gregor Weigl

Gregor Weigl läuft beim Triathlon mit dem Rennrad durch die Wechselzone, mit Sportbrille
Ausdauersport

Meet the Athlete: Gregor Weigl

Gregor Weigl ist 35, lebt in Leonding und hat ein großes Ziel: 2027 einen Ironman über die Langdistanz. Hinter seinem sportlichen Weg steckt aber mehr als Trainingskilometer. Nach dem Tod seines kleinen Bruders baut Gregor ein Projekt auf, das jungen Menschen über gemeinsamen Sport Halt und echte Begegnungen geben soll. Wir haben mit ihm gesprochen.

Hinweis: In diesem Interview spricht Gregor auch über den Suizid seines Bruders. Wo du Hilfe bekommst, wenn es dir selbst nicht gut geht, steht am Ende des Beitrags.

Stell dich kurz vor: Wer bist du, woher kommst du und was machst du abseits des Sports?

Mein Name ist Gregor Weigl, ich bin 35 Jahre alt, komme ursprünglich aus Linz und lebe heute in Leonding. Beruflich arbeite ich als Sales Manager in einem Softwareunternehmen, das Digitalisierungslösungen für Tischlereien entwickelt. Meine freie Zeit verbringe ich am liebsten mit meiner Familie und meinem Hund.

Wie bist du zum Triathlon gekommen und was bedeutet Sport heute für dich?

Meine sportlichen Wurzeln liegen im Leistungsturnen. Später war ich begeisterter Freerider, bis mich mehrere Verletzungen, darunter ein Kreuzbandriss, zum Umdenken brachten. Während der Rehabilitation entdeckte ich den Ausdauersport: zuerst das Laufen, dann das Rennradfahren und schließlich den Triathlon.

Anfangs wollte ich vor allem wieder fit und beweglich werden. Heute steht für mich die Freude im Vordergrund, gesund zu sein, draußen unterwegs zu sein und meinen Körper fordern zu können.

Gregor Weigl lächelnd auf dem Rennrad beim Triathlon, mit Helm und Sportbrille

Was hat dir der Sport in schwierigen Lebensphasen gegeben?

Nach meinen Verletzungen gab mir der Sport Struktur und ein Ziel, auf das ich hinarbeiten konnte. Auch in psychisch belastenden Zeiten hilft mir Bewegung, Abstand zu gewinnen und meine Gedanken zu ordnen. Dabei habe ich gelernt, Rückschläge anzunehmen und geduldig zu bleiben. Nicht jeder Tag läuft gut, aber die Erfahrung, durch eigenes Tun wieder voranzukommen, trägt mich auch abseits des Sports.

Hinter deinem sportlichen Weg steckt eine sehr persönliche Geschichte. Was möchtest du darüber erzählen?

Letztes Jahr hat sich mein kleiner Bruder das Leben genommen. Warum, wissen wir bis heute nicht. Sein Tod hat unsere Familie tief getroffen und mir noch deutlicher gezeigt, wie wertvoll Zusammenhalt ist.

Mein Bruder fehlt mir jeden Tag. Wenn ich trainiere, reise oder etwas Neues erlebe, ist er in meinen Gedanken dabei. Der Ausdauersport hilft mir, mit der Trauer umzugehen. Für mich ist das kein Weglaufen vor Problemen, sondern eine Möglichkeit, ihnen Raum zu geben und mit ihnen zu leben.

Ich möchte meinen Weg weitergehen und die Erinnerung an ihn mitnehmen.

Wie hat dieser Verlust deine Sicht auf das Leben und deine Ziele verändert?

Sein Verlust hat mir schmerzhaft vor Augen geführt, wie plötzlich sich das Leben verändern kann. Seitdem möchte ich die Zeit, die ich habe, noch bewusster nutzen und Erlebnisse nicht ständig auf später verschieben.

Ich war immer ehrgeizig. Heute haben meine Ziele eine tiefere Bedeutung: Ich möchte Chancen wahrnehmen, Erfahrungen sammeln und das Leben wertschätzen. Das bedeutet nicht, immer stark sein zu müssen. Trauer und schwierige Tage gehören genauso dazu.

Wann ist der Wunsch entstanden, aus deiner Geschichte ein Projekt zu machen?

Nach dem Tod meines Bruders habe ich mich intensiver mit Suizid und seinen Folgen beschäftigt. Mir wurde bewusst, wie viele Familien betroffen sind und wie viel Schmerz zurückbleibt. Gleichzeitig begegnen mir durch mein berufliches Umfeld junge Menschen, die mit schwierigen familiären Verhältnissen oder wenig Rückhalt aufwachsen.

Ich wollte meine Erfahrungen nicht nur für mich behalten, sondern etwas Sinnvolles daraus entstehen lassen. Gerade in einer Welt voller sozialer Medien und Vergleiche möchte ich wieder mehr echte Begegnungen ermöglichen. Sport kann dabei ein guter Einstieg sein: Man ist gemeinsam aktiv, erlebt Anstrengung und Erfolg unmittelbar und entdeckt vielleicht eine neue Begeisterung für das Leben.

Welche Rolle spielt dein Bruder heute für deine Motivation?

Mein Bruder war ein hervorragender Skifahrer. Ich habe viel von ihm gelernt – vor allem, mit welcher Leidenschaft und welchem Ehrgeiz er an etwas herangegangen ist.

Wenn ich bei einer langen Einheit an meine Grenzen komme, denke ich oft an unsere gemeinsame Zeit und an die Möglichkeiten, die er nicht mehr erleben kann. Ich möchte die Chancen, die ich habe, nutzen. Bei besonderen Momenten habe ich das Gefühl, ihn ein Stück weit mitzunehmen.

Gregor Weigl im Neoprenanzug vor dem Start am See, Faust in die Luft gestreckt

Was möchtest du mit deinem Projekt erreichen?

Ich möchte vor allem junge Menschen ermutigen, über ihre Sorgen zu sprechen und sich Unterstützung zu holen. Viele stehen unter Leistungsdruck, vergleichen sich online mit scheinbar perfekten Leben oder ziehen sich immer weiter zurück. Dem möchte ich echte Begegnungen entgegensetzen.

Über gemeinsame Bewegung können Kontakte entstehen, ohne dass sofort ein schwieriges Gespräch im Mittelpunkt stehen muss. Sport kann Selbstvertrauen fördern und zeigen, dass Fortschritt Zeit braucht. Mein Ziel ist eine Gemeinschaft, in der man einander ernst nimmt, zuhört und auch über belastende Themen offen reden kann. Niemand soll glauben, alles alleine bewältigen zu müssen.

Warum gerade Sport?

Beim gemeinsamen Training entsteht Verbindung ganz von selbst: Man verfolgt ein Ziel, unterstützt sich bei Rückschlägen und freut sich über Fortschritte. Gerade wenn jemand an einem schwierigen Punkt ist, kann ein aufmunterndes Wort viel bewirken.

Aus solchen Erlebnissen können Vertrauen und Freundschaften wachsen. Sport bietet außerdem einen unkomplizierten Anlass, regelmäßig zusammenzukommen – einen Ort, an dem Menschen Kontakte knüpfen und sich gegenseitig stärken können.

Wie soll die Community aussehen, die du aufbauen möchtest?

Ich möchte mit sozialen Einrichtungen und Partnern zusammenarbeiten, die Jugendliche begleiten. Geplant sind Workshops, gemeinsame Sportaktivitäten und Möglichkeiten zum Austausch – auch mit jungen Menschen, die selbst schwierige Erfahrungen gemacht haben.

Außerdem denke ich an Charity-Veranstaltungen, Spendenaktionen und kleinere Sportevents zugunsten sozialer Projekte. Ein spannendes Beispiel kenne ich aus meinem beruflichen Umfeld: Eine Tischlerei hat für ihre Lehrlinge einen zusätzlichen Sporttag in die Ausbildung aufgenommen, weil der Werkstattalltag für manche körperlich sehr fordernd ist. Solche Ansätze würde ich gerne durch Kooperationen unterstützen.

Langfristig soll daraus ein Netzwerk aus sozialen Einrichtungen, Unternehmen und engagierten Menschen entstehen. Entscheidend ist für mich, dass die Angebote im Alltag tatsächlich etwas bewirken.

Wen möchtest du besonders erreichen?

Mein Schwerpunkt liegt auf Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die gerade eine schwere Zeit durchmachen – besonders auf jenen, denen familiärer Rückhalt fehlt oder die sich hilflos und alleingelassen fühlen. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie ernst genommen werden und es Menschen gibt, an die sie sich wenden können.

Grundsätzlich soll die Initiative aber nicht an einer Altersgrenze enden. Einsamkeit und psychische Belastungen können Menschen in jedem Lebensabschnitt treffen.

Was würdest du einem jungen Menschen sagen, der sich gerade alleine fühlt?

Ich würde zuerst zuhören und Fragen stellen: Was beschäftigt dich? Woher kommt die Angst? Was hat dir früher Freude gemacht? Mir wäre wichtig, gemeinsam zu verstehen, wo das Problem liegt, statt vorschnell Ratschläge zu geben.

Vielleicht finden wir eine frühere Leidenschaft oder ein kleines Ziel, das wieder Freude weckt. Sport kann helfen, das Selbstvertrauen durch eigene Fortschritte aufzubauen. Aber jeder Mensch braucht etwas anderes, und bei ernsten psychischen Belastungen ist professionelle Hilfe wichtig.

Ich würde sagen: Du musst nicht sofort eine Lösung haben. Aber du darfst darüber reden und dir Unterstützung holen.

Welche sportlichen Ziele hast du dir vorgenommen?

Von Dezember bis Jänner möchte ich eine Trailrunning-Challenge über 35 Kilometer absolvieren. Im Juni beginnt meine Wettkampfsaison. Geplant sind zwei bis drei Triathlons über die Sprintdistanz und der Halbmarathon beim Linz Marathon.

Mein großes Ziel für 2027 ist ein Ironman über die Langdistanz. Darauf richte ich mein Training aus. Die Wettkämpfe sind für mich auch eine Gelegenheit, auf mein soziales Vorhaben aufmerksam zu machen.

Was motiviert dich, wenn es richtig hart wird?

An erster Stelle steht die Erinnerung an meinen Bruder. Darüber hinaus hilft mir eine ganz praktische Strategie: Ich teile lange Strecken gedanklich in kleine Abschnitte. Statt mich von der gesamten Distanz überwältigen zu lassen, konzentriere ich mich auf das nächste erreichbare Ziel.

Ich rede mir bewusst gut zu: „Du hast es schon so weit geschafft. Den Rest schaffen wir jetzt auch noch.“ Positive Gedanken und Willenskraft können viel verändern. Gleichzeitig ist es wichtig, auf die Signale des Körpers zu achten. Für mich zählt, Schritt für Schritt dranzubleiben.

Gregor Weigl läuft jubelnd ins Ziel, mit Sportbrille, im Hintergrund die Blacksheep-Fahne

Wie kann man dein Projekt unterstützen?

Ich bin dabei, einen Verein als organisatorische Grundlage für mein Projekt aufzubauen. Einrichtungen und Organisationen, die gemeinsame Angebote für Jugendliche entwickeln möchten, können mich über Instagram kontaktieren: @_limitlessgreg.

Unternehmen können durch Sponsoring oder Spenden helfen. Ebenso freue ich mich über Menschen, die bei Benefizveranstaltungen, Sportaktionen oder kleineren Wettkämpfen freiwillig mitarbeiten möchten. Auch das Weitertragen meiner Botschaft ist wertvoll.

Wie eine spätere Vereinsmitgliedschaft oder eine offene Community genau aussehen wird, ist noch nicht entschieden. Das möchte ich mit der Entwicklung des Projekts konkretisieren.

Deine eine Botschaft an die Menschen da draußen?

Hab den Mut, offen über deine Probleme, Ängste und Sorgen zu sprechen. Niemand muss mit seinen Schwierigkeiten alleine bleiben. Wir können einander aber nur verstehen, unterstützen und wieder aufbauen, wenn wir miteinander reden. Sich zu öffnen ist keine Schwäche – es kann der erste Schritt sein, etwas zu verändern.

Folge Gregor auf Instagram

Du willst Gregors Weg zum Ironman mitverfolgen oder sein Projekt unterstützen? Folge ihm auf Instagram: @_limitlessgreg

Hilfe in schwierigen Zeiten

Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir etwas anzutun: Du bist nicht allein, und Reden hilft. In Österreich erreichst du rund um die Uhr, kostenlos und anonym:

  • Telefonseelsorge: 142
  • Rat auf Draht (für Kinder, Jugendliche und Eltern): 147
  • Im akuten Notfall: Rettung 144

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